Krieg der Steine

von Anne

Ich bitte direkt im Voraus um Entschuldigung für diesen albernen Titel. Direkt ärgerlich, das. Das Thema, was uns heute allerdings umtreibt, ist nicht weniger albern und auch ärgerlich. Eigentlich wollte ich das alles vor Weihnachten schon notieren, aber da mich dann doch das Weihnachtsgeraffel etwas abgelenkt und als Geschenketip hätte das eh nicht getaugt. Nun denn.

Vor kurzem fiel mir der Jahreskatalog von einem weltbekannten Plastikklötzchenhersteller in die Hände. In Erwartung völlig krasser Sensationen und inklusive der Nachwehen des Kinder-Showbusiness, in dem ich mich unlängst befand, wollte ich mal abchecken, was die coolen Kids von heute so aus ihren roten Vierern und blauen Sechsern bauen. Aber nix da. Keine Spur von den schlichten Steinen.

Das erste, was einem hier ins Auge fällt, ist natürlich: Themenlego. Kennt man ja, Merchandise eben, bis zum letzten Atemzug die Kuh nochmal melken, bevor Film oder Spiel wieder in der Versenkung verschwindet. Da hätten wir für die ganz Kleinen: den kubischen Batman! Okay, der muss so aussehen, das ist ja schließlich Anfängerlego.

(zum Vergrößern auf das Bild klicken)

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Im „Versteck“ vom Joker, also eigentlich in einer recht gut ersichtlichen Seitenstraße, wartet er mit seiner tödlichen Seifenblasenwaffe auf den dunklen Rächer. Dass der Joker dabei mehr wie ein manischer Zirkusclown aussieht, ist für die Kinder vielleicht nicht so schlecht. Immerhin haben wir kein brennendes Krankenhaus im Hintergrund.

Filmausverkauf Teil 2: Typen mit langen Haaren und heroischem Blick! Kann man eh nie genug von haben!

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Ich hab schon wieder vergessen, wer das sein soll, ist ja auch fast egal, man kann die eh nicht auseinander halten. Ich finde eigentlich, am ehesten sieht die Figur aus wie Legolas, äh, Orlando Bloom aus seiner Zeit als Piratenbraut. Aber vielleicht hab ich mich auch getäuscht.

Ansonsten haben wir die üblichen Welten: Polarforscher, Feuerwehr, Polizeistation und sogar Ausbrecher! Besonders toll: es gibt ein komplettes Ausbrecherset! Mit „Ausbruchsfunktion!“ Glaub ihr nicht? Bittesehr:

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Ich mag ja die verschlagenen Grimassen der Fieslinge und Halunken am Liebsten. Weiß doch jeder, dass Ausbrecher immer nen Dreitagebart haben und ein fieses Funkeln in den Augen.

Am lustigsten find ich ja aber immernoch die Idee, aus einem Spiel, das aus Steinen besteht, aus denen man was bauen kann, um die Phantasie anzuregen, ein virtuelles Spiel zu machen, mit dem man aus Steinen Sachen bauen kann, und dieses virtuelle Spiel wieder zu einem Merchandiseartikel um- oder in dem Fall zurückzumodellieren. Daher präsentieren wir euch: Minecraft-Lego!

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Wenn man lange genug drüber nachdenkt, macht das absolut Sinn! \o/

So. Das war also die Jungsecke. Die Zeiten, dass Mädchen und Jungen mit dem gleichen Spielzeug spielen durften, sind nämlich ziemlich vorbei. Das erklärt auch den verzückt-paralysierten Gesichtsausdruck der beiden im nächsten Bild:

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Zum Glück muss sich der Junge auf dem Bild keine Sorgen um seine Baustelle oder die große Ritterburg machen. Die wird von dem Mädchen nämlich völlig zu Gunsten des Ponyhofs ignoriert. Denn alles, was rosa ist, zieht die Mädels magisch an, muss man wissen! Das ist genetisch bedingt, denen fehlt da so ein Enzym im Augapfel. Irgendwie so war das doch.

Außerdem hat die Mädchenfraktion auch tolle Berufsvorschläge von Lego bekommen, mit denen kann man ja auch mal spielen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem feschen Tiersalon?

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Da lebt die Pantasie doch auf! Es gibt sogar eine Tür! Mit ein bißchen Glück kann man die sogar in beide Richtungen bewegen!

Ein weiterer zielführender Vorschlag ist es, das gängige Castingshow-Konzept in Plastik zu gießen:

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Für was genau Stephanie mit ihrem Krönchen da gerade probt, bleibt geheim! Ich komm um vor Spannung! Mal ehrlich, wer braucht da schon ne Ausbruchsfunktion?

Das Beste nun aber zum Schluss. In der Heftmitte, so ziemlich zum Ende der Mädchenstrecke, befindet sich ein völlig sinnbefreiter Comic, in dem es in mehreren Sequenzen darum geht, wie man als Unternehmerin im Einzelhandel Erfolg hat und Stammkunden bindet. Glaube ich zumindest. Aber seht selbst:

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Es herrscht Not im Lande der rosa Plastikelfen! Die Saft- und, Verzeihung, & Smoothiebar ist kaputt. Da müssen die tapferen Recken losreiten!

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Mit einem hübsch beperlten Pony reiten die beiden namenlosen Grazien also los. Die Früchte im Arm, die Rettung naht! Aber halt! Es fehlen ja noch die Zitronen! Dann kann das ja nüscht werden. Derweil guckt das Pony ein bißchen grenzdebil. Aber ist halt nur ein Pony, kann man nicht viel erwarten.

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Das eine Mädchen nimmt lieber die Vespa und fährt damit fast gegen eine Legotreppe, während es kiloweise Zitronen ranschleppt. Damit wird man ja wohl ne Weile auskommen. Es sei denn, sie findet den Weg nicht, denn die Wegweiser sind gar nicht beschriftet. So ein Pech!

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Soso, irgendeine der drei Grazien heißt also Andrea und passt nicht richtig auf. Kann man nur hoffen, dass sie nicht so Vespa fährt, wie sie Saft presst, völlig ohne hinzugucken. Die Story zieht sich ein bißchen, muss ich zugeben. Aber es wird sicher lecker! Ich frag mich bloß, was uns Andrea mit dem Vorschlag sagen wollte. Was sonst hatte sie denn in der Saft- & Smoothie-Bar vor? Doch nicht etwa Physikformeln lernen? Aber es sollte ganz anders kommen…

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Es droht nämlich ein aprupter Szenenwechsel: Ab zum Strandhaus! Mit einem weiteren Korb völlig unzermatschten Obstes machen wir es uns dort mal so richtig gemütlich! Das ham wir uns verdient nach dem harten Tag!

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Ähm. Und Ende. Das war die spannende Geschichet von der Saft- & Smoothiebar. Was genau das mit Lego zu tun hat? Keine Ahnung! Immerhin haben wir gelernt, wie man Saft macht, ist das etwa nichts? Rezepteskills kann man schließlich als gute Hausfrau immer gebrauchen! Und jede Menge Freundschaft und ein hübsches Pferd gabs obendrein! Juhu!

Also ehrlich mal, Lego, da waren wir aber auch schonmal weiter. Mit so ziemlich allem eigentlich.

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